Biografie - Wien

Als der sechszehnjährige Ferdinand Ries im Herbst oder Winter 1801 in Wien mit einem Empfehlungsbrief seines Vaters bei Beethoven eintraf, stand dieser bereits auf dem Gipfel seines Ruhms. Beethoven, der in einer für ihn schwierigen Zeit nach dem Tod der Mutter von seinem Geigenlehrer Franz Anton Ries in jeder Hinsicht unterstützt worden war, nahm den jungen Landsmann herzlich auf und akzeptierte ihn als Klavier-Schüler. Im Gegenzug erledigte dieser für ihn die Korrespondenz mit Verlegern, fertigte Kopien seiner Noten an und führte kleinere persönliche Aufträge aus. Für die Kompositionslehre schickte Beethoven Ries zu seinem eigenen früheren Lehrer Johann Georg Albrechtsberger.

Ludwig van Beethoven 1802/03, Fotografie einer Elfenbeinminiatur von Christian Hornemann In seiner Eigenschaft als Schüler und Interpret Beethovens trat Ferdinand Ries am 1. August 1804 in Wien zum ersten Mal öffentlich auf. Im Augarten führte er dessen 3. Klavierkonzert (op. 37) mit einer eigenen Kadenz auf.

In Wien lebte Ries für einige Jahre in den für einen jungen Musiker interessantesten Kreisen der musikalischen Welt. Er lernte die berühmtesten Komponisten seiner Zeit kennen, den alten Haydn (dem er seine Klaviersonaten op. 11 widmete) und Salieri, sowie zahlreiche durchreisende Virtuosen, die in den musikbegeisterten Adelshäusen von Lichnowsky,  Kinsky, Fries, Lobkowitz etc. auftraten. Durch die Vermittlung Beethovens erhielt er eine Anstellung als Klavierspieler beim Grafen Browne.

Gerne wäre Ries länger unter diesen glücklichen Umständen in Wien geblieben, doch hinderten ihn daran die politischen Umstände. Im November 1805 wurde er als Bürger des besetzten Rheinlands von den französischen Behörden zur Musterung nach Koblenz einbestellt. Aber er hatte Glück im Unglück und wurde infolge einer in der Jugend erlittenen Krankheit für kriegsuntauglich erklärt. Von Koblenz aus begab er sich zurück ins Elternhaus, in das säkularisierte Kloster Marienforst bei Bonn, von dessen Gutsbesitz sein Vater 1802 einen Teil erworben hatte, um mit dessen Bewirtschaftung seine Familie zu ernähren.

Ein Jahr lang wirkte Ries in Bonn als Pianist, Komponist und Klavierlehrer. Für den Musikverleger Nikolaus Simrock (1751-1832), ehemaliger Waldhornist in der kurfürstlichen Hofkapelle, Kollege und Freund des Vaters, arbeitete er Streichtrios und Streichquartette Beethovens zu Klaviertrios um. Simrock druckte auch sein op.1, die Beethoven gewidmeten „Deux Sonates pour le Piano-Forte“. Er komponierte in dieser Zeit vornehmlich Klavier- und Kammermusik, versuchte sich auch erstmals an einem Klavierkonzert, das aber erst 1824 im Druck erschien.

Ferdinand Ries um 1810, Lithografie von Leo Lehmann Nach zwei äußerlich wenig erfolgreichen Jahren in Paris (1807-1808) in denen er aber mit ca. 25 Werken (darunter sein später so erfolgreiches Septett op. 25) recht fleißig komponierte, kehrte Ries im Sommer 1808 nach Wien zurück. Inzwischen hatte sich auch in Wien die musikalische Szene grundlegend verändert. 1809 berichtete er Simrock über die „jetzige fürchterliche musikalische Zeit“. Selbst die großen Familien schränkten sich nun ein, und es war für den  jungen Ries schwer, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und gleichzeitig in seiner Kunst fortzuschreiten.

Ries’ zweiter Wiener Aufenthalt war nicht von langer Dauer, da ihn nun die Österreicher wegen des drohenden napoleonischen Angriffs einzuziehen drohten. Im Juli 1809 verließ er die Stadt für immer und kehrte in seine Heimat zurück. Inzwischen hatte sein Vater das Bonner Musikleben mit der Einrichtung der „Bonner Winterkonzerte“ neue Impulse gegeben. Gemeinsam traten Vater und Sohn nun in Konzerten in Bonn und Köln auf. In dieser Zeit entstand Ferdinand Ries’ erste Sinfonie, ein weiteres Klavierkonzert und sein einziges Violinkonzert, sicherlich für und möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit dem Vater komponiert. Es wurde von diesem in einem großen Konzert am 15.12.1810 im Rahmen eines reinen Ries-Programms in Bonn uraufgeführt.

< Bonn Russland >

 


Bildquellen:

  1. Ludwig van Beethoven 1802/03, Fotografie einer Elfenbeinminiatur von Christian Hornemann
  2. Ferdinand Ries um 1810, Lithografie von Leo Lehmann
 
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Lorenz Janscha, Johann Ziegler: Ansicht des Theaters und Redoutensaales zu Godesberg, kolorierter Kupferstich 1729, markiert: Ferdinand Ries Geburtshaus
Ferdinand Ries um 1820, Öl/Lwd., Beethoven-Haus Bonn
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